New York, New York

Kennst du den Film “The Game”? Irgendwann im März 2006 hatte ich mich entschlossen, meine Verlobung mit Lisa vorzubereiten. Schon immer hatte ich ihr prophezeit, dass es ein besonderer Moment werden sollte, ein unvergesselicher Moment, und ganz sicher ein UNERWARTETER Moment.

Nachdem ich zum damaligen Zeitpunkt doch schon 6 Jahre mit Lisa zusammen war, hatte ich natürlich schon einige kreative Ideen geboren … wie wär’s mit einer fiktiven U-Haft, und Lisa kommt mich befreien und ist dann überglücklich, dass alles gar nicht wahr ist und zum (hoffentlich) übergroßen Glück frage ich sie dann auch gleich, ob sie mich heiraten möchte?

Naja, wirst du jetzt wohl sagen, schon sehr schräg. War ja auch nur eine Idee, die ich in Sekundenschnelle wieder verworfen hatte. Aber einer meiner liebsten Filme, vor allem betreffend der Spannung, als ich ihn zum ersten Mal sah, geisterte mir immer wieder durch den Kopf. Freilich sollte es keine Horrorgeschichte für Lisa werden - aber irgendwie suchte ich nach einer Story, die einen interessanten Verlauf nimmt, um dann - im Hauch eines einzigen Atemzuges - eine unvorhersehbare Wendung erfährt - und am Ende eine der schönsten Liebesgeschichten dieser Welt sein könnte.

Bei “The Game” war es schließlich ein überraschendes Happy-End. Wurde Michael Douglas zuerst in verbrecherischer Weise durch die Welt gehetzt, findet er sich am Schluss mitten in seiner Geburtstagsparty wieder - dieses Spiel war eben sein entzückendes Geschenk zum Geburtstag.

Also, ich brauchte ein Drehbuch. Mit dem fixen Beschluss, um Lisa’s Hand anzuhalten, hatte ich dann doch recht bald einen Geistesblitz.

Lisa meinte schon länger, es wäre mal toll, wenn wir gemeinsam nach New York fliegen könnten - die Stadt, die so toll sein soll (hatte ich ihr vorher immer schon erzählt). Die Grobskizze meines Drehbuches: Lisa wird nach New York gelockt - und plötzlich stehe ich vor ihr, obwohl sie mich ganz woanders vermutet.

Und das ging dann so:

An der Columbia University of New York findet ein Symposium zum Thema “Neue Strategien der Hochschulbildung im internationalen Vergleich” statt. Als Sponsor tritt die Raiffeisenzentralbank mit der Außenstelle New York auf. Diese Bank lädt einen Referenten aus Österreich zu diesem Thema ein. (Zur Erklärung: Lisa arbeitet an der Fachhochschule Campus 02. Ihr Chef, Ing. Mag. Peter Hochegger, war eingeweiht und hatte lediglich die Aufgabe, das erste Email, das aus New York kommen sollte, an Lisa weiter zu leiten und sie zu beauftragen, diese Einladung nach New York anzunehmen. Dieses Email wurde von Barbara Christian von der RZB in New York abgesandt. Mein Freund Christoph Potzinger hatte mir den Kontakt hergestellt, und Barbara war tatsächlich bereit, als “Lockvogel” zu fungieren, indem sie die Emails, die ich verfasste, mit ihrer Email-Adresse und Signatur versehen an den Campus 02 sandte.)

Im Mai buchte ich bereits die Flüge nach New York für unsere Reise im Oktober. Lisa erzählte ich, dass ich so um den Nationalfeiertag mit dem Umweltministerium nach Polen fliegen würde - “zufällig” genau zu jenen Tagen, als Lisa nach New York fahren sollte.

Im Juni kam dann das erste Email aus New York, adressiert an den Chef des Campus 02. Wie vereinbart, gab Peter Hochegger diese Einladung an Lisa weiter - prompt erhielt ich noch in der gleichen Stunde einen Anruf von Lisa, in dem sie mir ihre Freude über die tolle Einladung nach Amerika mitteilte.

Über die Monate entwickelte sich dann ein reger Schriftverkehr über den großen Teich - Lisa kommunizierte mit Barbara über die Details des Symposiums etc. Freilich konnte sie nicht wissen, dass all diese Emails an meinem Computer zu Hause entstanden waren.

So rückte die Zeit näher und Lisa begann - mit dem Vokabel strebern und der Vorbereitung des Vortrages über ihre Fachhochschule - in Englisch natürlich, eine echte Herausforderung!

Ich erzählte von meinem tückischen Vorhaben niemandem, musste schließlich aber auch noch eine dritte Person einweihen. Denn ich brauchte ein fiktives Reisebüro für die Zustellung der Flugtickets und des Hotelvouchers in ihr Büro. Das tat dann eine Sekretärin des Gemeindeamtes, die die Unterlagen zu einem Zeitpunkt im Büro abgab, als Lisa dienstlich gerade in Wien war.

So kam schließlich der große Moment.

Am 24. Oktober chauffierte mich Lisa zum Flughafen Thalerhof, weil ich ja mit dem Umweltministerium über Frankfurt nach Krakau fliegen sollte. Nach einer innigen Verabschiedung mit den besten Wünschen für ihre Amerika-Reise stieg ich also ins Flugzeug - und in Frankfurt natürlich nicht Richtung Polen, sondern mit den Delta Airlines nach New York. So kam ich einen Tag vor Lisa in den “Big Apple” - und das hatte seinen Grund: Ich musste noch ein passendes Lokal für unsere Verlobung finden.

In New York angekommen, checkte ich in einer Jugendherberge ein, ging zum Rockefeller Center und besichtigte das Restaurant “Rainbow Room” im 65. Stockwerk. Ja genau das suchte ich - hoch über den Dächern von Manhattan mit toller Aussicht zum Empire State Building und zur Brooklyn Bridge.

Danach ging ich in ein Internetcafe, um den Brief zu verfassen, den ich später bei Lisa im Hotel hinterlegen wollte. Dieses Schreiben schickte ich wieder an Barbara; sie druckte es aus, gab es mir am nächsten Tag bei einem gemeinsamen Mittagessen. Ich ging danach zum Hotel und übergab ihn an die Rezeptionistin mit der Bitte, sie möge den Brief unbedingt an Frau Ehrenreich bei ihrer Ankunft übergeben.

Lisa war inzwischen auch nach Amerika unterwegs. Mit dem gleichen Flieger, nur einen Tag später flog sie zuerst nach Frankfurt und dann weiter nach New York. Beim Hotel angekommen, wurde ihr der Brief übergeben. Darin stand, dass Barbara von der RZB leider nicht wie vereinbart am Abend ins Hotel kommen könnte, dass aber Lisa am Abend mit dem Taxi unbedingt zum Empfang der Universität in das Rockefeller Center fahren sollte, dort mit dem Lift in den 65. Stock und im besagten Restaurant nach dem Tisch der RZB fragen sollte.

Lisa folgte diesen Anweisungen. Alleine in der großen Stadt suchte sie also die nette Location im Herzen von Manhattan auf, fuhr in den 65. Stock, wurde von der Empfangsdame zum Tisch der RZB geführt und …

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… und die Antwort war: “JA”

Gemeinsam verbrachten wir einige schöne Tage in einer der schönsten Metropolen der Welt:

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am Times Square

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auf der Columbia University, wo Lisa einen Vortrag halten wollte …

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am Empire State Building

Weitere Fotos siehe hier!